Die Lebenserwartung der Pensionierten steigt weniger schnell an als erwartet und das Invaliditätsrisiko sinkt

Die kürzlich veröffentlichten technischen Grundlagen BVG 2020 könnten bei den Stiftungsratsmitgliedern der Pensionskassen für Aufregung sorgen.

Schon bevor sich die COVID-19-Pandemie in den Statistiken, welche die versicherungstechnischen Grundlagen der beruflichen Vorsorge bilden, niedergeschlagen hat, zeigen die Zahlen eine überraschende Entwicklung auf: Die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt zwar weiter an, gemäss den neuen, Ende letzten Jahres veröffentlichten technischen Grundlagen 2020 aber weniger schnell als erwartet. Das hat Folgen für die Berechnung des Umwandlungssatzes der Pensionskassen, zumal gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, invalid zu werden, abgenommen hat.

Diese Statistiken, die von nahezu 1100 schweizerischen Pensionskassen insbesondere zur Bewertung der Vorsorgekapitalien verwendet werden, werden seit fast 20 Jahren anhand der gesammelten Daten von rund 15 Vorsorgeeinrichtungen ermittelt. Für den Zeitraum von 2015 bis 2020 wurden die Daten von rund 2,4 Millionen Versicherten ausgewertet.

Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Gemäss diesen Daten hat sich die Lebenserwartung von 65-Jährigen zwischen 2015 und 2020 bei den Männern um 0,65 Jahre und bei den Frauen um 0,27 Jahre erhöht und beträgt heute 20,42 bzw. 22,20 Jahre. Während die Entwicklung bei den Männern den Erwartungen entspricht, liegt der Anstieg bei den Frauen leicht unter dem prognostizierten Wert von 22,47 Jahren. Die technischen Grundlagen BVG 2020 enthalten keine statistischen Daten aus dem Jahr 2020 und sagen daher auch nichts zu den möglichen Auswirkungen von COVID-19 auf die Langlebigkeit der Versicherten und der Pensionierten aus, wie die Autoren betonen: «Diese Folgen sind heute noch sehr unsicher und werden im Rahmen der technischen Grundlagen BVG 2025 abgebildet werden.»

Geringeres Invaliditätsrisiko

Bemerkenswert ist auch, dass gegenüber den technischen Grundlagen BVG 2015 die Wahrscheinlichkeit, invalid zu werden, bei den Männern um 24% und bei den Frauen um 15% gesunken ist. Damit hat sich die Invaliditätswahrscheinlichkeit in den letzten zehn Jahren im Schnitt fast halbiert. Dies wirkt sich bei den Pensionskassen auf die Berechnung der Risikokosten für Invalidität aus. Die Sterbewahrscheinlichkeit ist gegenüber 2015 nur leicht zurückgegangen, nämlich um durchschnittlich 12% bei den Männern und 7% bei den Frauen.

Diese statistischen Daten könnten bei den Stiftungsratsmitgliedern, die über den Umwandlungssatz zu entscheiden haben, für Aufregung sorgen. Mit den Statistiken von 2020 würde beispielsweise der Umwandlungssatz für einen 65-jährigen Mann rechnerisch von 5,12% im Jahr 2015 auf 5,13% im Jahr 2020 steigen, wenn von einem technischen Zinssatz von 1,75%, einer Anwartschaft von 60% für eine Ehegatten-/Partnerrente und 20% für die Waisenrente ausgegangen wird.

Auswirkungen von Pensionskasse zu Pensionskasse unterschiedlich

Je nachdem wie gross der Anteil an Pensionierten und Invaliden einer Pensionskasse ist, kann sich die Anwendung der technischen Grundlagen BVG 2020 unterschiedlich auswirken. Es kommt aber auch darauf an, ob Periodensterbetafeln (geben die tatsächliche Sterblichkeit während eines vergangenen Zeitraums, z. B. eines Jahres, an) oder Generationensterbetafeln (geben die erwartete, also zukünftige Sterblichkeit einer Generation, z. B. eines Jahrgangs, an) verwendet werden.

Umwandlungssatz und technische Grundlagen BVG 2020

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