Kooperation zwischen Universität Lausanne und BCV: Erste Studie zum Nachhaltigkeitsprofil von Schweizer Immobilienanlagen

Lausanne – 31. März 2022. Die meisten Verwalter von Schweizer Immobilienanlagen haben sich bereits konkrete Ziele gesetzt, um ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren und bis 2050 klimaneutral zu werden. Dies ist eine Erkenntnis einer Studie über die Massnahmen von Immobilienanlagevehikeln im Bereich ESG (Environment, Social, Governance), die von der Wirtschaftsfakultät HEC der Universität Lausanne in Zusammenarbeit mit der BCV durchgeführt wurde. Die Studie ist die erste ihrer Art und wird jährlich stattfinden.

In ihrer Studie haben Forscher des Center for Risk Management (CRML) der Wirtschaftsfakultät HEC der Universität Lausanne die drei wichtigsten Vehikel des Schweizer Markts für indirekte Immobilienanlagen – Immobilienfonds, -stiftungen und -gesellschaften – genauer unter die Lupe genommen. Sie haben insbesondere untersucht, in welchem Masse die Immobilienanlagevehikel den mit der Energiewende verbundenen Zielen für eine klimaneutrale Schweiz bis 2050 Rechnung tragen. Die Studie wurde 2021 zum ersten Mal durchgeführt und stützt sich auf Daten des Geschäftsjahrs 2020. Sie wird jährlich stattfinden.

Bei den in der Studie analysierten indirekten Immobilienanlagen mit einem Gesamtwert von CHF 174 Milliarden handelt es sich um eine wichtige Anlageklasse für zahlreiche Anleger,

insbesondere die Pensionskassen. Der Immobilienmarkt ist in der Schweiz für rund ein Drittel des Kohlenstoffausstosses verantwortlich und birgt ein hohes CO2-Einsparpotenzial. Dennoch ist die Integration von ESG-Kriterien im Bereich der Immobilienanlagen bislang weniger umfassend untersucht als bei anderen Anlageklassen. Die Studie liefert Anlegern diesbezüglich erste grundlegende Erkenntnisse.

Im Rahmen der Studie wurden 143 Immobilienfonds, -stiftungen und -gesellschaften kontaktiert. 59 von ihnen nahmen mit ihren insgesamt 66 Immobilienportfolios an der Befragung teil und trugen dazu bei, dass über 500 qualitative und quantitative ESG-Daten gesammelt werden konnten. Die Beteiligung lag damit bei 46%. Da die meisten grossen Marktakteure in der Studie vertreten sind, deckt sie dennoch ungefähr 65% der in Form von Immobilienanlagen verwalteten Vermögen ab – bei den kotierten Immobilienfonds sogar 93%.

Verringerung der CO2-Emissionen hat Vorrang

Die Antworten der Befragten zeigen, dass sich bereits drei Viertel von ihnen konkrete Ziele gesetzt haben, um ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren und klimaneutral zu werden. So sollen die CO2-Emissionen bis 2025 um 16%, bis 2030 um 40% und bis 2050 um 96% sinken.

Während die untersuchten Immobilienportfolios beim Energieverbrauch und CO2-Ausstoss erfreuliche Ergebnisse aufweisen, schneiden sie in anderen Bereichen weniger gut ab. Dies betrifft insbesondere die Abfallerzeugung und den Wasserverbrauch.

Auch bei den sozialen Kriterien gibt es laut Studie Verbesserungspotenzial, wie die begrenzte Einbeziehung der Allgemeinheit bei Immobilienentwicklungsprojekten, insbesondere seitens der Immobiliengesellschaften, zeigt.

Im Allgemeinen gibt ein Grossteil der Befragten an, umfangreiche Ressourcen zur Sicherstellung der ESG-Konformität mobilisiert zu haben. Ungefähr die Hälfte von ihnen beschäftige mindestens eine Person in Vollzeit, die für ESG-Fragen zuständig sei. 70% hätten sogar ein entsprechendes Komitee oder eine Task Force eingerichtet. 45% der Befragten hätten zudem die United Nations Principles for Responsible Investment (UN PRI) unterzeichnet.

Umfassender Überblick in Sachen Nachhaltigkeit

Eric Jondeau, Professor an der Universität Lausanne und Co-Direktor des CRML: «Durch das jährliche Benchmarking der Immobilienanlageportfolios im ESG-Bereich können die Daten verglichen und über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Die Studie untersucht die Schweizer Immobilienanlagen der Anlagevehikel umfassend nach ESG-Kriterien und liefert wertvolle Hinweise zur Entwicklung ihrer Performance in den drei ESG-Dimensionen.»

Fabio Alessandrini, ebenfalls Professor an der Universität Lausanne und Co-Direktor des CRML: «Ziel der Studie ist es, einen umfassenden Überblick in Sachen Nachhaltigkeit zu liefern. Auch wenn Umweltkriterien eine Schlüsselrolle einnehmen, ist es für eine umfassende und präzise Beurteilung der Nachhaltigkeitsanforderungen notwendig, soziale und Governance-Kriterien einzubeziehen.»

Fabio Simoncini, Immobilienportfoliomanager beim Asset Management der BCV: «Die Ergebnisse der Studie helfen uns dabei, den ESG-Kriterien bei der Verwaltung der in Schweizer Immobilienanlagen investierten Portfolios besser Rechnung zu tragen. Sie stellt eine erste objektive Bestandsaufnahme dar, die zeigt, inwieweit ESG-Kriterien in der Anlageklasse berücksichtigt werden. Bislang fehlten für die indirekten Immobilienanlagen standardisierte Daten auf dieser für zahlreiche Anleger, insbesondere die institutionellen Investoren, wichtigen Ebene.»

Michel Aubry, Leiter der Abteilung Asset Management bei der BCV: «Die Studie erhöht die Transparenz bei den Schweizer Immobilienanlagen und kommt allen Schweizer Akteuren der Vermögensverwaltung zugute. Sie leistet im Bereich der Immobilienanlagen einen wichtigen Beitrag zu den Bemühungen des Schweizer Finanzplatzes, beim nachhaltigen Investieren weiterhin Massstäbe zu setzen.»

Die Studie kann auf der Website des CRML heruntergeladen werden: https://real-estate.crml.ch/

 

Ansprechpartner

Prof. Eric Jondeau, UNIL
+ 41 76 340 28 26

Jean-Pascal Baechler, Wirtschaftsberater, BCV
+41 21 212 22 51
jean-pascal.baechler@bcv.ch

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