Covid-19: in den Jahren 2020/21 Verlust von CHF 8650 pro Kopf

Dieses Jahr wird das Westschweizer BIP infolge der Covid-19-Krise voraussichtlich um 5,7% schrumpfen. Dies geht aus den Prognosen des CREA-Instituts für die heute veröffentlichte neue Studie zum Westschweizer BIP hervor. Nächstes Jahr dürfe es aufgrund der erwarteten Konjunkturaufhellung um 4,5% wachsen. Damit wird das Westschweizer BIP aber noch nicht seinen Stand von 2019 erreicht haben. In der Westschweiz wird sich der Wertschöpfungsverlust für die Jahre 2020/21 im Vergleich zu den Vorkrisenprognosen (2020: +1,3%; 2021: +1,7%) voraussichtlich auf rund CHF 8664 pro Kopf belaufen.

22. September 2020 – Die Hygienemassnahmen in der Schweiz, der nahezu völlige Wegfall des Auslandstourismus und die weltweite Konjunkturabkühlung, die sich gemäss dem Internationalen Währungsfonds (IWF) dieses Jahr in einem Rückgang des globalen BIP um 4,9% niederschlagen dürfte, belasten alle Westschweizer Kantone. Immerhin zeigt die 13. Studie zum Westschweizer BIP, die von den sechs Westschweizer Kantonalbanken gemeinsam mit dem CREA-Institut der Universität Lausanne (HEC) und dem Forum des 100 der Tageszeitung Le Temps veröffentlicht wird, dass die Auswirkungen der Coronakrise auf das BIP in der Westschweiz (–5,7% gemäss CREA) und in der Schweiz (–6,2% gemäss SECO) geringer ausfallen als in den wichtigsten Industrieländern. Laut Prognosen des IWF wird das BIP in den USA um 8,0% und in der Eurozone um 10,2% sinken.

 

Der Romandie und der Gesamtschweiz kommen die Diversifikation ihrer Volkswirtschaft sowie die Unterstützungsmassnahmen von Bund, Kantonen und privaten Akteuren zugute: Kurzarbeitsentschädigungen, Covid-19-Überbrückungskredite sowie Miet- oder Kreditanpassungen. Das SECO hat ausserdem festgestellt, dass sich die Wirtschaft bereits seit Ende April wieder erholt. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit hält sich in Grenzen. So ist die Arbeitslosenquote in der Westschweiz von 3,1% im August 2019 auf 4,4% im August 2020 gestiegen. In der Krise 2009 hatte sie 6% erreicht.

Es ist mit einer verhaltenen Erholung zu rechnen: 2021 wird der BIP‑Zuwachs in der Westschweiz (+4,5%) voraussichtlich unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt (+4,9%) liegen. Der vom IWF erwartete globale Aufschwung von 5,4% dürfte eher den Schwellen- als den Industrieländern zugutekommen.

In der Westschweiz sind sämtliche Branchen von der Krise betroffen, allerdings unter­schiedlich stark: Die Chemie- und die Pharmaindustrie, der Bausektor sowie die öf­fentlichen und halböffentlichen Dienste dürften dieses Jahr nur einen leichten Rückgang verzeichnen. Für die Maschinenindustrie, den Transportsektor und das Gastgewerbe sind die diesjährigen Perspektiven hingegen düster. Im Jahr 2021 werden dank der erwarteten Konjunkturaufhellung wohl alle Branchen zulegen. Die 2020 am stärksten gebeutelten Bereiche dürften im kommenden Jahr zu den Sektoren mit dem stärksten Wachstum zählen.

Bei den Kantonen sind je nach Wirtschaftsstruktur ähnliche Unterschiede festzustellen. Die industrielastigen Kantone Jura und Neuenburg, die 2020 besonders getroffen wurden, könnten 2021 überdurchschnittlich zulegen. In den Kantonen Freiburg und Wallis, in denen der Sekundärsektor u. a. dank dem hohen Anteil an baunahen Branchen stabiler ist, darf mit einer Zweijahresbilanz über dem Durchschnitt gerechnet werden. Die Kantone Genf und Waadt schliesslich litten unter den Schwierigkeiten einiger ihrer wichtigsten Aktivitäten – namentlich derjenigen in Zusammenhang mit dem internationalen Genf für Ersteren und der Unternehmensdienstleistungen für Letzteren.

Angesichts der sehr hohen Unsicherheit ist Vorsicht angezeigt. Die globale Pandemieentwicklung, die Reaktion der Behörden und die
Auswirkungen allfälliger Sicherheitsmassnahmen sind nicht absehbar. Erschwerend kommt hinzu, dass die Weltwirtschaft weiterhin unter den Folgen der Grossen Finanzkrise von 2008/09 und den anhaltenden Handelsspannungen leidet. Weitere Risikofaktoren sind die Brexit-Verhandlungen, die Beziehungen Schweiz–EU oder die Frankenstärke.

Bildung: eine Antwort auf die Herausforderungen der KI

Mit dem Fortschritt der künstlichen Intelligenz (KI) wird der Anwendungsbereich der Computer erweitert. Dies wird sich auf die Arbeitswelt auswirken: Laut einer Studie von Mc Kinsey Global Institute könnten in der Schweiz bis 2030 rund eine Million Arbeitsplätze automatisiert werden. Doch dürften (fast) ebenso viele neue Jobs entstehen, insbesondere in neuen Berufen.

Bildung ist daher einer der Schlüsselfaktoren, damit sich die Gesellschaft anpassen kann. Im Rahmen der Studie zum Westschweizer BIP beschäftigten sich die Westschweizer Kantonalbanken mit der Frage, wie das Bildungssystem diese Herausforderung angeht. Zwei Forschende der Ecole Hôtelière de Lausanne der HES-SO (Claudia Borrelly und Claudio Sfreddo) wurden mit der Durchführung einer Erhebung bei den Schlüsselakteuren im nachobligatorischen Bildungsbereich beauftragt.

Die Resultate zeigen, dass viele Befragte sich der Herausforderungen bewusst sind. Programme für einen verstärkten Einbezug der digitalen – wenn auch nicht unbedingt KI-spezifischen – Technologien laufen oder sind in Vorbereitung. Die Ingenieurschulen, an denen KI bereits ein Unterrichts- und Forschungsfach ist, sind am weitesten. Bremsend wirken hingegen der ungleiche Informationsstand und verschiedene Ängste z. B. in Zusammenhang mit Datenschutz oder den Kosten.

Wichtige Wirtschaftskennzahl

Das BIP ist die Kennzahl, die am häufigsten zur Messung der Wirtschaftsleistung eines Landes oder einer Region herangezogen wird. Anhand dieses wichtigen Indi­kators ist es möglich, die Entwicklung im Zeitverlauf zu analysieren und Vergleiche zwischen den Regionen anzustellen. Mit der Publikation von BIP-Prognosen erhalten die Entscheidungsträger von Privatwirtschaft und Politik zudem ein wertvolles Instru­ment für die Entscheidungsfindung und Projektdurchführung.

In Zusammenarbeit mit dem Forum des 100 publizieren die Kantonalbanken der sechs Westschweizer Kantone seit 2008 alljährlich das Westschweizer BIP mit Daten zu den Vorjahren und Prognosen für das laufende und das kommende Jahr. Das CREA-Institut der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften (HEC) an der Universität Lausanne führt die Berechnungen mittels einer transparenten Methode durch. Die Ergebnisse werden auch am 16. Forum des 100 am 25. September 2020 in Lausanne präsentiert.

Nähere Informationen sind auf folgenden Websites verfügbar: www.bcf.ch, www.bcge.ch, www.bcj.ch, www.bcn.ch, www.bcvs.ch, www.bcv.ch, www.hec.unil.ch/crea und www.forumdes100.ch.

 

Ansprechpartner:

FKB: Michel Gauthier, Prokurist
Tel.: +41 26 350 72 02
E-Mail: michel.gauthier@bcf.ch

BCGE: Lydia Albrecht, Kommunikationsleiterin
Tel.: +41 22 809 24 03
E-Mail: lydia.albrecht@bcge.ch

BCJ: Margaux Häni, Leiterin Marketing und Kommunikation
Tel.: +41 32 465 13 68
E-Mail: margaux.haeni@bcj.ch

BCN: Marie-Laure Chapatte, Leiterin Kommunikation und Wirtschaftsbeobachtung
Tel.: +41 32 723 62 21
E-Mail: marie-laure.chapatte@bcn.ch

BCVs: Lysiane Tissières, Kommunikationsleiterin
Tel.: +41 58 324 60 31
E-Mail: lysiane.tissieres@bcvs.ch

BCV: Jean-Pascal Baechler, Observatoire BCV de l’économie vaudoise
Tel.: +41 21 212 22 51
E-Mail: jean-pascal.baechler@bcv.ch

CREA: Claudio Sfreddo, Projektleiter (für die Methodologie)
Tel.: +41 78 880 91 95
E-Mail: claudio.sfreddo@unil.ch; crea@unil.ch

Forum des 100: Alain Jeannet, Produzent
Tel.: +41 79 213 16 49
E-Mail: alain.jeannet@letemps.ch

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Dieses Jahr wird das Westschweizer BIP infolge der Covid-19-Krise voraussichtlich um 5,7% schrumpfen. Dies geht aus den Prognosen des CREAInstituts für die heute veröffentlichte neue Studie zum Westschweizer BIP hervor. Nächstes Jahr dürfe es aufgrund der erwarteten Konjunkturaufhellung um 4,5% wachsen. Damit wird das Westschweizer BIP aber noch nicht seinen Stand von 2019 erreicht haben. In der Westschweiz wird sich der Wertschöpfungsverlust für die Jahre 2020/21 im Vergleich zu den Vorkrisenprognosen (2020: +1,3%; 2021: +1,7%) voraussichtlich auf rund CHF 8664 pro Kopf belaufen.

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